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Sibiu
(RO)
Crazy
Bikers Rockfestival
26. Juli 2003
The Transexual-Transylvania-Tour
"It´s 806 Miles to Sibiu,
it´s dark and we are wearing sunglasses.."
Am
Donnerstag , den 24.Juli 2003, bestiegen wir unsere 8-sitzige Boden-Boden-Rakete
der Marke Volkswagen, um zu unserem ersten Auftritt im ehemaligen Ostblock,
genauer gesagt nach Sibiu (Hermannstadt) in Siebenbürgen, Transylvanien,
Rumänien zu reisen.
Wir
waren im Namen des Herren und auf Einladung des dortigen Bikerclubs
unterwegs, um am Crazy Bike Meeting 03 teilzunehmen.
Der Name Transylvanien erweckte natürlich
sofort Asoziationen:
Blutsaugende Untote, die ungebetene Gäste schaschlickgleich auf
Pfählen verweilen ließen.....
Wir standen also vor der Wahl entweder mehrere Kilo Knoblauch, einige
große Holzkreuze, diverse Taschenspiegel und ein paar Kanister
Weihwasser oder unsere Instrumente zu Hause zu lassen.
Im
Vertrauen darauf, dass sich bei unseren Tour-Trinkgewohnheiten kein
Vampir eine Alkoholvergiftung einholen wollte und aus Platzmangel entschieden
wir uns für die Instrumente, mussten allerdings die Boxen zu Hause
lassen.
Giovanni, unser umtriebiger Manager war schon am Vortag gereist, um
Dinge wie Unterkunft und Equipment bereits im Vorfeld abzuklären.
Bei unserer Abreise gegen 19 Uhr regnete
es Siamkatzen und Dobermänner und Eros begann unverzüglich
mit seinem verbalen Sperrfeuer, das erst 82 Stunden später an gleicher
Stelle enden und ihm den Beinamen "Motormouth" einbringen
sollte.
Die Reise verlief bei wenig Verkehr
über Salzburg und Wien nach Ungarn, wo wir uns gegen 2 Uhr morgens
ein Quartier für die Nacht suchten und in der Nähe von Budapest
ein Motel fanden, das dem von Herrn Bates nicht unähnlich war.
Aber es war spät und die Auswahl nicht groß...
Unsere Zimmer entpuppten sich als umgebaute Wandschränke, in denen
sich zwei Sofas aus Sissi´s Zeiten befanden und zu denen das Reinigungspersonal
scheinbar striktes Zutrittsverbot hatte. Wir standen vor der Alternative
entweder in dem Mief vergangener Jahrhunderte zu ersticken oder vom
Lärm der nahen Autobahn wachgehalten zu werden.
Weiterhin bewies die erstaunlicherweise doch existente Putztruppe gegen
6 Uhr morgens, dass Ungarn gern singen und wenn nicht schön dann
um so lauter.
Gut erholt und ausgeschlafen freuten wir uns auf ein opulentes Frühstück.
Es bestand aus fingerhut großem Zuckerwasser-Kaffee-Imitat, einer
gelben Masse und Stücken einer Plastiktüte, die bei genauerem
Hinsehen Speck darstellen sollten. Dafür wollte der freundlich
grinsende Ober auch nur 42 Euro...Nichts wie raus hier.
Nach ein paar Stunden stellten sich noch Spätfolgen in Form von
Tieren, die sich sonst bei Hunden sehr wohl fühlen, bei einigen
von uns
ein. Wir beschlossen das Gebäude bei unserer Rückreise in
Schutt und Asche zu legen.
Erste Sorgen machten sich breit: Wenn es in Ungarn schon so übel
ist, wie ist es dann erst in Rum...
Die etwas bedrückte Stimmung wich
aber bald wieder den Capone-Tourbus üblichen Gesprächsthemen:
Bands von früher, Drinks, Nutten, die Entstehung des Universums,
Equipment, Nutten, Bands von heute, Reinkarnation, Nutten, Spinal Tap,
TV-Serien, griechische Mythologie, Nutten, der bevorstehende Gig, Nutten,
etc.
Die gut ausgebaute Autobahn endete 120 km vor der rumänischen Grenze,
es regnete mal wieder und wir erreichten nach weiteren zwei Stunden
das für sein Gulasch berühmte Szeged.
Im Vertrauen auf den Routenplaner von
Michelin hatten wir keine Karte mitgenommen, waren aber doch sehr erstaunt,
dass der vor uns liegende Grenzübergang in eben diesem Planer nicht
verzeichnet war.
Auf die Frage "Romania?" ernteten wir verständnisloses
Kopfschütteln, wildes Gestikulieren und die Antwort "Yugoslavia
!!!" seitens der Grenzbeamten. Wir wären also fast ins falsche
Land eingereist...
Nach einer 1,5 stündigen Odyssee
durch Szeged, einem schweren LKW-Unfall und einer daraus resultierenden
Vollsperrung der Straße verspürten wir auch Dank des köstlichen
Frühstücks ein erhebliches Hungergefühl.
Trotz
unseres gewachsenem Misstrauens gegenüber der ungarischen Küche
beschlossen wir unser verspätetes Mittagessen noch vor der rumänischen
Grenze einzunehmen und wurden das erste Mal positiv überrascht:
Köstlichkeiten und Spezialitäten in Hülle und Fülle
und das Ganze zu einem Spottpreis. Geht doch. Wir beschlossen dieses
Restaurant auf der Rückreise wieder anzusteuern.
Kurz darauf war Hochspannung angesagt:
die rumänische Grenze.
Zu
unserem Entzücken bestand die wartende Autoschlange aus nur zwölf
Fahrzeugen. Was wir nicht wussten war die Tatsache, dass die hiesigen
Beamten die Anweisung zu haben schienen, mindestens sechs Minuten pro
Fahrzeug und je zwei Minuten pro Pkw-Insasse brauchen zu müssen.
Zwei Stunden später überquerten wir endlich die rumänische
Grenze und waren äußerst verblüfft über die Qualität
der Landstrasse, da wir so eine Art Trampelpfad mit Meteoritenkratern
erwartet hatten. Unseren Erwartungen entsprach dann eher die erste grössere
Stadt, Arad.

Mich erinnerte diese Ansammlung von Wohnsilos an das Hiroshima vom 07.08.1945,
bloß wesentlich weniger aufgeräumt. Erste Visionen unseres
kommenden Quartiers entstanden: gemeinsam zu zehnt mit einer moldawischen
Black-Metal-Band, deren nächtliche Aktivitäten aus Hühneropfern
und Bibelrückwärtslesen besteht, auf einem provisorischen
Strohlager zu nächtigen...
Es wurde dunkel und es regnete.
Die letzten Stunden auf der regennassen rumänischen Landstrasse
schienen kein Ende zu nehmen, es machte sich bereits leichte Hysterie
breit, die nur durch eine kleine Feier anlässlich der 3,5 millionsten
Silbe aus Eros´Mund während dieses Trips unterbrochen wurde.
Endlich das lang ersehnte Schild: Sibiu 18 km.
Wir verabredeten uns telefonisch mit Giovanni, der uns gemeinsam mit
einem nur unwesentlich alkoholisierten Dieter (Exil-Rumäne, in
der Nähe von München wohnend und mit verantwortlich für
unsere Reise) an einer Tankstelle abholte und zu unserem Hotel brachte.
Diese
Herberge entsprach so ziemlich dem Gegenteil unserer schlimmsten Befürchtungen:
Grand Hotel, 5-Sterne-Kral, neu, sauber, Luftsprünge..
Sofort wurde bei unserer Ankunft aufgefahren, was hiesige Metzgereien,
Weinberge und Brauereien hergaben. Besonders der gute Rote, im Capone-Jargon
"Nusszopf" erwies sich als höchst bekömmlich..
Nach einem kurzen Abstecher zum nahegelegenen Festivalgelände fielen
wir endlich in unsere Betten. Es war vier Uhr morgens...
Die dann folgende Nachtruhe brachte uns folgende Erkenntnisse:
- rumänische Motorräder brauchen keine Schalldämpfer
- auch rumänisches Hotel-Personal singt gerne
Da
einige von uns dank der zweiten schlaflosen Nacht schon etwas Schlagseite
zeigten, fiel die für zehn Uhr anberaumte Altstadt-Besichtigung
erst mal ins Wasser, was nicht weiter störte, da die Wartezeit
für ein simples Frühstück 1,5 Stunden betrug.
Nachdem
endlich gegen 13 Uhr auch die letzten Komatösen eingetroffen waren,
begaben wir uns zur Bühne um in aller Ruhe das uns zur Verfügung
gestellte Equipment zu begutachten.
Beim
Durchzählen der Gitarren-Boxen blieben wir allerdings bei "eins"
hängen. Wo war die zweite angeforderte Box?
Der sich uns als "Eureka" oder so ähnlich vorstellende
Bühnentechniker meinte, das wäre kein Problem und versprach
Abhilfe.
Zurück zum Hotel, ein paar Gläser
leeren, zurück zur Bühne. Auf meiner Bühnenseite befand
sich nun ein mit Transistoren und Lautsprechern bestückter Brühwürfel
der Firma Maggi, der sicherlich als Babyfon ausgezeichnte Dienste leistete,
für den Sound einer Rockband aber sicherlich ein wenig unterdimensioniert
war.
Fragende Blicke zu Eureka, der unser Problem sogleich erkannte und uns
zu einem kleinen Stoßtrupp-Unternehmen mit unserem Bus aufforderte,
um die benötigte Box zu organisieren.
Sehr zu unserer Verwunderung war sein
erstes Ziel ein Baumarkt.
"Soll ich mir die Box selbst zusammenzimmern?" schoss es mir
durch den Kopf, aber Eureka erstand einen Vorschlag-Hammer und ein Vorhängeschloss....und
geleitete uns anschließend in die Suburbs von Sibiu, wo er uns
aufforderte vor einer abgesperrten Lagerhalle zu halten.
Drei kräftige Hiebe mit dem Hammer auf das an der Tür befindliche
Schloß und wir betraten eine Halle, die mit einer beträchtlichen
Zahl verschiedenster Gegenstände vom Rasenmäher bis zum Motorrad
gefüllt war, darunter auch eine Trace-Elliot-Box. Seltsamerweise
klebten keine Preisschilder an den Waren...
Nachdem wir unser Schloß statt des aufgebrochenen an der Tür
befestigt hatten, verluden wir die Box und begaben uns unter freundlichen
Winken gegenüber dem am Tor befindlichen Wachpersonals wieder zum
Open-Air-Gelände. Einkaufen auf rumänisch....

Die
letzten Stunden vor unserem Auftritt verbrachten wir mit Ausruhen und
Abendessen. Wir verspeisten alles, was die 8-seitige Speisekarte hergab,
nämlich Schnitzel und Pommes, begaben uns zum Umziehen in unsere
Gemächer und wurden dort von Giovanni durch die Nachricht überrascht,
dass wir zur besten Band des Festivals gewählt worden waren. Mit
Pokal und Diplom. Vor dem Auftritt.. Erlebt man auch nicht alle Tage....
Besonders wenn man bedenkt, dass die angetretenen einheimischen Bands
nicht nur mühelos jeden Wettbewerb im Langhaariggrimmigdreinschauen
gewonnen hätten, sie verfügten auch über beträchtliche
stimmliche und technische Fähigkeiten.
Die direkt vor uns plazierten "Quo Vadis" donnerten eine fulminante
Version von Deep Purple´s "Burn" in die Karpaten, mit
einem Glenn Hughes in Bestform am Micro und einem Gitarristen, der gar
Jon Lord´s
Hammond-Orgel-Solo bis ins Detail nachspielte...
Weiterhin
fiel uns auf, dass der Mann am Mischpult entweder stocktaub war oder
seine Kumpels am Schwarzen Meer an der Musik teilhaben lassen wollte.
 Kurz
vor dem Gig wurde vom rumänischen Fernsehen noch eine Pressekonferenz
mit uns einberufen und landesweit übertragen. Wir bemühten
uns wie immer bei solchen Anlässen möglichst ernst zu bleiben,
was uns ebenfalls wie immer nicht so ganz gelingen wollte.
Motiviert bis in die Zigarrenspitzen
begaben wir uns auf die Bühne und wurden sogleich von der vieltausendköpfigen
Zuschauerschaft mit lautem Jubel begrüßt. Deutschland-Fahnen
wurden geschwungen und jeder Song, soweit möglich, lautstark mitgesungen.
Und das bei Bikern, bei deren Artgenossen in unseren Breiten ein Zucken
des kleinen Zeh´s
schon einem ekstatischem Hysterie-Anfall gleichkommt...
Die zwei Stunden on Stage vergingen wie im Flug und nach etlichen Zugaben
verließen wir erschöpft, aber mit uns und der Rockwelt zufrieden
die Bühne.
Den Rest des für uns so erfolgreichen Abends verbrachten wir im
Promoterzelt, wo wir noch einen kleinen Imbiss und etliche Biere der
Marke "Ursus" zu uns nahmen und noch ein wenig Kontaktpflege
mit der einheimischen Bevölkerung betrieben...
Die beim Veranstalter scherzhaft angeforderten Damen blieben aber Gott
sei Dank von unseren Zimmern fern.
 Ich
war noch bedient vom Bikerfest-typischen Strip zweier Schwestern, die
an sich gegenseitig demonstrierten, welche Körperöffnungen
einer Frau man mit einer Zunge erkunden kann. Nicht so mein Fall.
Da dem Hotelpersonal scheinbar ein Gesangsverbot
auferlegt worden war, verlief der Rest der Nacht weitgehend störungsfrei.
Wir bestiegen unseren Bus um zehn Uhr morgens und wundersamerweise waren
a l l e pünktlich anwesend.
Die Rückreise verlief bis auf unser
ständiges Gelächter und Eros`pausenloses Silben-Bombardement
recht ruhig bis zur rumänisch-ungarischen Demarkationslinie, wo
wir uns (bei 14 Fahrzeugen) gleich auf eine mehrstündige Wartezeit
einrichteten.
Um uns das Warten ein wenig zu verkürzen, erklärten wir die
Straße zur Grenze zum internationalen Bob-Trainingsgelände,
indem wir unseren Bob (Bus) unter lauten "Üns, zwü,drü!!"-Rufen
bei ausgeschaltenem Motor Richtung Schlagbaum bewegten. Cool runnings!
Nach einem kurzen Abstecher zu unserem
bereits von der Hinfahrt bekannten Restaurant, wo wir geschätzte
vier Auerochsen vertilgten, galt es noch viele Meilen Autobahn zu absolvieren
bis wir endlich Budapest erreichten. Hier unternahmen dann auch sogleich
eine unfreiwillige Stadtrundfahrt, von der uns erst ein ortskundiger
Busfahrer aus Hamburg erlöste. Ein weiteres Hoch auf den Michelin-Routenplaner!!
Wieder auf der richtigen Autobahn passierten
wir den als Hotel getarnten ungarischen Flohzirkus, den wir in Ermangelung
schwerer Artillerie mit ebenso schweren Flüchen bedachten.
Dann hieß es nur noch: "Keep
your eyes on the road, your hands upon the wheel" bis wir um fünf
Uhr morgens in unserem Basislager in Höhenkirchen wieder eintrafen.
Kurz duschen, dann ab in die Arbeit....
Fazit: Es war zwar eine Strapaze, die
unglaubliche Begeisterungsfähigkeit und Gastfreundschaft der rumänischen
Fans machten aber alles mehr als wett.
"Thank you, Sibiu, good night. See ya next year.... "
Murphynescu
Sibiu:
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